„Fünf vor Null - Das Kriegsende in Rheine“ als Thema im Jakobi-Treff "Kirche und Welt"

Das Erleben des Kriegsendes vor 70 Jahren in Rheine war das Thema des Jakobi-Treffs „Kirche und Welt“ im April; Referent war Dr. Lothar Kurz, Historiker aus Rheine.  
 
Unter Heranziehung von Fotografien und anderem Quellenmaterial aus dem Stadtarchiv veranschaulichte Kurz, wie sich das Alltagsleben der Rheinenser vor mehr als 70 Jahren in der letzten Phase des Krieges gestaltete. Dabei wurde deutlich, welche Zerstörungen die zahlreichen Bombenangriffe ausgelöst hatten, aber auch, wie sehr das Leid der Bevölkerung für die Propaganda der Nationalsozialisten instrumentalisiert wurde. 
 
Mucksmäuschen still wurden die zahlreichen Zuhörer, als die Zeitzeugen Rudi Paege (damals 12 Jahre alt)  und Gisela Gerling (damals 19 Jahre alt) ihre Erlebnisse aus den letzten Kriegstagen beisteuerten. Es wurde deutlich, wie die Angst vor Bomben und der Kampf um die Unversehrtheit von Leib und Leben und Hab und Gut den Alltag bestimmten. Auch einige Zuhörer konnten von eigenen Erfahrungen berichten, die die große Angst widerspiegelten.
 
Anhand von beispielhaften Tagebuchaufzeichnungen von Karl Rekers aus Spelle und Hermann Rosenstengel aus Rheine ging Kurz dann der Frage nach, wie die Menschen die damaligen Erlebnisse in ihrem Inneren erfassten und verarbeiteten: Für viele war es eine Erleichterung, dass der Krieg zu Ende war, aber zu der Zeit war es wohl eher Niederlage als Befreiung.
 
Zum Schluss machte Pfr. em. Heinz Oehlke mit einem persönlichen bewegenden Bericht deutlich, dass zwar Ostern 1945 mit dem Einmarsch der Engländer der Krieg in Rheine beendet war, dass aber bis zum Ende des Krieges noch über 1700  17- und 18-jährige Soldaten - frisch aus den Truppenschulen bei Celle und Hannover-  bei den Kämpfen um die Riesenbecker Berge und am Birgter und Dörenther Berg ihr Leben in einem längst verlorenen Krieg lassen mussten. 
 
Wie sehr das Thema bewegte, war an dem lang anhaltenden Applaus der zahlreichen Zuhörer für den Referenten und die Zeitzeugen zu erkennen; auch nach dem Vortrag ergaben sich noch viele angeregte Gespräche.