"Christenverfolgung im Nahen Osten" als Thema im Jakobi-Treff "Kirche und Welt"

„Christenverfolgung im Nahen Osten“  war das Thema des Jakobi-Treff „Kirche und Welt“ am letzten Mittwoch im November. Als Referent konnte Karl Wilms Alex Lindt von der Organisation Open Doors begrüßen, der selbst vor kurzem noch im Irak war. Open Doors ist als überkonfessionelles christliches Hilfswerk seit fast 60 Jahren in mehr als 50 Ländern im Einsatz für verfolgte Christen.   
 
Lindt führte aus, dass im sogenannten „Weltverfolgungsindex“, einer Rangliste der Länder mit der stärksten Christenverfolgung, Länder im Nahem Osten wie Irak, Syrien, Iran und auch Saudi-Arabien Spitzenplätze einnehmen, nur noch getoppt von Nordkorea. Durch Fundamentalismus, gepaart mit Nationalismus würden alteingesessene Christen aus islamischen Kernländern vertrieben und die Religionsfreiheit durch eine Registrierungspflicht beschränkt. So sei die Anzahl der Christen  im Irak in den letzten 20 Jahren durch Verfolgung und Bedrohung  von 1,5 Mio. in den neunziger Jahren auf heute nur 300.000 gesunken.
 
In Mossul, der zweitgrößten Stadt Iraks, die auf eine 1600 Jahre alte christliche Tradition zurückblickt, seien die christlichen Einwohner nach der Eroberung Mossuls durch Kämpfer der IS vor die Wahl gestellt worden, die Stadt entweder zu verlassen, zum Islam zu konvertieren oder hingerichtet zu werden. Die allermeisten Christen hätten Mossul daraufhin Ende Juli verlassen, sodass die christliche Tradition der Stadt vorläufig zu einem Ende gekommen sei. „Am Sonntag, den 15. Juni 2015  wurde zum ersten Mal seit 1600 Jahren in Mossul kein Gottesdienst gefeiert", habe Bashar Warda, der chaldäische Erzbischof von Erbil, mitgeteilt. Die christliche Gemeinschaft von Mossul war eine der ältesten weltweit, heute existiere sie nicht mehr.
 
Auch machte Lindt die Problematik der sogenannten MBBs  (Muslime Background Believers) deutlich: Zum Christentum konvertierte Muslime würden  systematisch verfolgt und von Ihren Familien verstoßen und müssten quasi im Untergrund leben.
 
Im Rahmen der Diskussion betonte Lindt, dass er natürlich keine politische Lösung für die Probleme der Region habe. Das Ziel von Open Doors sei es, die freie Welt  zu informieren, verfolgte Christen durch Gebet zu stärken und eine stabile Brücke der Ermutigung aufzubauen. Vor Ort helfe dazu die Ausbildung von Pastoren und Mitarbeitern der Untergrundgemeinden, Gefangenenhilfe und Unterstützung der Familien von ermordeten Christen sowie der Aufbau von Zufluchtsstätten für Christen mit muslimischem Hintergrund.
 
Am Ende der engagierten Diskussion dankten die zahlreichen Zuhörer mit langem Beifall für die überzeugende Darstellung.