Dietrich Bonhoeffer als Thema im Jakobitreff „Kirche und Welt“

Vor fast genau 70 Jahren ist der evangelische Pfarrer und Theologe Dietrich Bonhoeffer im Konzentrationslager Flossenbürg von den Nazis ermordet worden.  Im Jakobi-Treff "Kirche und Welt"  gab  Dr. Michael Korthaus, Schulpfarrer im Kirchenkreis Tecklenburg  und Privatdozent für Systematische Theologie an der Universität Münster,  einen Überblick über Leben und Wirken dieses bemerkenswerten Theologen.
 
Korthaus machte in seinem Vortrag deutlich, dass Bonhoeffer durch seine Herkunft aus dem Großbürgertum und der Bildungselite Zeit seines Lebens privilegiert war und auch nach seiner Verhaftung noch einflussreiche Freunde hatte.  
 
Auch habe die Nachkriegsgeneration lange Zeit Schwierigkeiten mit dem Leben und Werken Bonhoeffers gehabt – auch innerhalb der verfassten Kirche – und erst in den letzten Jahrzehnten sei die Anerkennung für sein Lebenswerk erfolgt.  
 
Die konsequente Einheit von theologischem Diskurs über die  "Gemeinschaft der Heiligen", "Nachfolge Christi"  und radikale Gedanken über ein "Religionsloses Christentum"  mit seinem Lebensverlauf sei einzigartig. 
 
Wie kaum ein anderer Theologe des 20. Jahrhunderts habe er tief in Kirche und Gesellschaft hinein gewirkt.  Bonhoeffer  sei heute ein Beispiel für Mut, Zivilcourage und Bildung. Für Mut, weil er sich traute, in einer Zeit der Unterdrückung und der Angst seine Meinung frei zu äußern und für sie einzustehen. Er habe stets Gebrauch von seinem Verstand gemacht  und sich nicht auf seinem Wissen ausgeruht.  
 
Bonhoeffer war sechstes von acht Kindern und hatte sich im Gegensatz zu seinen eher naturwissenschaftlich orientierten Geschwistern der Theologie zugewandt. Bereits mit 21 Jahren zum Dr.  der Theologie promoviert habe er aber auch durch seine anschließenden Tätigkeiten als Vikar in Barcelona und im Arbeiterviertel Wedding in Berlin das normale Leben kennengelernt und sich im Laufe seinen Lebens vom verkopften Wissenschaftler zum seelsorgerischen Theologen gewandelt. 
 
Im Gegensatz zu vielen Evangelischen Christen habe er  gegen die Gleichschaltungsversuche der Kirche durch die Nationalsozialisten opponiert:  Am Tag nach der Machtergreifung 1933  habe er eine Rundfunkrede über das Führerwesen gehalten,  die mitten in der Übertragung abgebrochen wurde - er sollte nie wieder im Radio auftreten.
  
Im Oktober 1933 ging er nach London und übernahmt ein Auslandspfarramt. 1935 kehrte er zurück und leitete das Predigerseminar der Bekennenden Kirche in Finkenwalde, ein Jahr später wurde ihm die Lehrerlaubnis entzogen. 1937 wurde das Seminar geschlossen und er arbeitete im Untergrund weiter. 1939 konnte er zwar mit Hilfe von Freunden noch in die USA ausreisen, nach drei Wochen kehrte er jedoch zurück. Ab 1940 arbeitete er heimlich als Kurier für die Widerstandsgruppe in der Abwehr unter Canaris. 1943 verlobte er sich mit der 17- jährigen Maria von Wedemeyer; drei Monate später wurde er im April verhaftet. Das Attentat 1944 scheiterte, nach Aktenfunden war seine Beteiligung nicht länger zu leugnen und er wurde in den Keller des Gestapo-Hauptquartiers verlegt.
 
Zum Jahresende 1944 schrieb Bonhoeffer aus dem Gestapo-Keller in der Berliner Prinz-Albrecht-Straße ein letztes Gedicht für seine Mutter und seine Verlobte, aus dem die letzte Strophe das wohl am weitesten verbreitete Zitat des Theologen ist:

„Von guten Mächten wunderbar geborgen
 erwarten wir getrost, was kommen mag.
 Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
 und ganz gewiss an jedem neuen Tag."
 
Das Todesurteil wurde am 2. Februar 1945 gefällt, die Evakuierung aus Buchenwald war am 3. April 1945, man hörte bereits die die amerikanischen Geschütze. Am 9. April 1945 wurde Bonhoeffer zusammen mit fünf anderen Angehörigen der Widerstandsgruppe im KZ Flossenburg (Oberpfalz) erhängt.