"Grundwasser hat ein langes Gedächnis" Jakobi-Treff „Kirche und Welt“ zum Thema Trinkwasser in Rheine

"Trinkwasser in Rheine  – Die Schöpfung bewahren, das Grundwasser schützen" war das genaue Thema des Jakobi-Treffs ""Kirche und Welt" im  Februar. Als Referent konnte Karl Wilms Dipl.-Ing. Dieter Woltring, von den Stadtwerken für Rheine begrüßen. 
 
Woltring führte aus, wie das Trinkwasser für rd. 100.000 Menschen in Rheine, Wettringen und Neuenkirchen gewonnen und aufbereitet wird. Zugleich machte er deutlich, welche hohe Qualitätsanforderungen gelten und wie aufwändig gemessen und dokumentiert wird.
 
Die Anforderungen an Trinkwasser sind klar: Es muss rein, genusstauglich, frei von Krankheitserregern und ohne gesundheitlich schädigende Eigenschaften sein. Etwa 4% des Durchschnittsverbrauchs von 122 pro Kopf und Tag werde für Essen und Trinken gebraucht, den größten Anteil mit 36 % mache Baden, Duschen und Körperpflege aus. 
 
Die Wassergewinnungsanlagen in Haddorf, Neuenkirchen, St. Arnold und Hemelter Bach befinden sich in einem Raum, der intensiv landwirtschaftlich genutzt wird. Die EWR (Energie- und Wasserversorgung Stadtwerke für Rheine) betreibe daher systematische Überwachung der Grundwasserbeschaffenheit, um nachteilige Veränderungen der Beschaffenheit rechtzeitig zu erkennen und um die Wirksamkeit von Schutzmaßnahmen beurteilen zu können. 
 
Insbesondere die flächenhafte Untersuchung von Nitratbelastungs- schwerpunkten stehe dabei im Vordergrund, da das natürliche Nitratabbaupotential im Boden endlich und teilweise bereits stark eingeschränkt sei. Diese bedeute die Gefahr eines Nitratdurchbruchs in die Förderbrunnen. Da man die Brunnen auf Grund der geologischen Situation nicht verlagern oder vertiefen könne und auch das Mischen mit weniger belastetem Bachwasser an Grenzen stoße, bleibe letztendlich die Aufbereitungstechnik zur Denitrifikation des Rohwassers. Dies bedeute eine Erhöhung des Wasserpreises um rd. 10 Euro pro Monat für eine vierköpfige Familie. Auch Emswasser sei keine Alternative, da es auf Grund der Kläranlagen im Oberlauf zu sehr mit Schadstoffen belastet sei, da sei das Wasser aus dem Dortmund-Ems-Kanal schon besser geeignet.
 
Woltring: „Ein flächendeckender Gewässerschutz ist daher ohne Mitwirkung der Landwirtschaft nicht möglich.“ Die Maßnahmen der EWR zum Erhalt der Grundwasserqualität z.B. die Extensivierung im Bereich Heidvenn Neuenkirchen hätten gute Erfolge gezeigt und die deutliche Überschreitung der Nitratgrenzwerte auf den zulässigen Bereich von unter 50 mg/l zurückgeführt. „Die Förderung des Problembewusstseins und Bereitschaft zum Mitwirken der Landwirte zur Reduzierung der Düngung auf grundwassersensiblen Flächen ist für den Grundwasserschutz zwingend erforderlich“.
 
Insgesamt machte der Vortrag deutlich, dass die Trinkwasserqualität in Deutschland und in Rheine auf einem hohen Niveau ist. Nachhaltiger, verantwortungsbewusster Umgang mit der Ressource Wasser ist auch für unsere nachfolgenden Generationen von großer Bedeutung. Daher muss das Grundwasser vorausschauend und präventiv geschützt werden. Dies geschieht dadurch, dass Maßnahmen zur Reduzierung des Nährstoffeintrags auf grundwassersensiblen Flächen gefördert werden. Effizienter Grundwasserschutz ist nur mit entsprechendem Problembewusstsein und der Bereitschaft der Landwirte zum Mitwirken hinsichtlich einer Reduzierung der Düngung auf grundwassersensiblen Flächen möglich.
 
Eine lebhafte und teilweise auch kontroverse Diskussion schloss sich an, am Ende erhielt Woltring den herzlichen Applaus der Zuhörer und als Präsent zur Veredelung des Trinkwassers bei Kälte zwei Groggläser, Zucker und Rum …