Kochen mit allen Sinnen im Jakobi-Altenzentrum

Am 04. August 2008 starteten wir mit dem Projekt, in den Tagesräumen unserer Wohnbereiche zur Mittagszeit kleine Gerichte frisch zuzubereiten. In der Fachpresse wird dies auch als „Front Cooking“ bezeichnet. Da unsere Bewohner mit dem modernen Begriff Front Cooking nicht viel anfangen können, haben wir uns für den Begriff „Kochen mit allen Sinnen“ entschieden.

Die Idee, das „Kochen mit allen Sinnen“ in unserem Hause zu praktizieren, ist u.a. aus der intensiven Beschäftigung mit der „Charta der Rechte hilfe- und pflegebedürftiger Menschen“, entstanden. In Anlehnung an den Artikel 4, „Pflege, Betreuung und Behandlung“, stellte sich für die Mitarbeitenden der Küche die Frage, ob wir ein ausreichendes Nahrungsangebot speziell für Menschen mit Demenz anbieten.  Wir kamen zu dem Ergebnis, dass wir schon ein vielfältiges Angebot für unsere Bewohner haben (Fingerfood, viele ansprechende Variationen konsistenzveränderter Speisen), es aber noch weiteres Verbesserungspotential gibt.

„Essen als basale Stimulation“ (vgl. gleichnamige Literatur von Markus Biedermann, Eidg. Dipl. Küchenchef und Diplom Gerontologe) zu betrachten war unser Stichwort. Durch die frische und unmittelbare Speisenvorbereitung vor den Augen des Bewohners soll insbesondere der Geruchssinn angesprochen werden. Gerade Düfte bewirken, dass der Mensch sich sowohl an Vergangenes erinnert als auch, dass einem sprichwörtlich „das Wasser im Munde zusammen läuft“. Den Appetit anzuregen, die Aufmerksamkeit der Bewohner zu erwecken und ihnen etwas Besonderes zu bieten, war das Ziel unseres Projektes.

Viel positive Resonanz zeigte ein Probelauf, der mit geliehenen Pfannen bereits Ende Februar 2008 im Speisesaal durchgeführt worden ist. Nach einigen Vorbereitungen wie z.B. der Anschaffung eigener mobiler Pfannen, fand dann das erste „Kochen mit allen Sinnen“ im Tagesraum des Wohnbereiches 1 statt.

Sieben Bewohner mit einer z.T. fortgeschrittenen Demenz konnten am 04. August 2008 miterleben, wie unserer Küchenleiter, Herr Udo Santel, die Pfannen im Tagesraum aufbaute und Lebensmittel, wie Eier, Kartoffeln, Speck und Petersilie auf dem Tisch bereitstellte. Die Bewohner konnten unserem Küchenleiter also direkt über die Schulter schauen, als er ein Ei nach dem anderen in die Pfanne schlug und die brutzelnden Bratkartoffeln wendete. Ein Teil der Bewohner schaute dem Treiben lieber erst einmal aus etwas Entfernung zu, genoss aber den leckeren Duft von Bratkartoffeln und Spiegeleiern. Besonders gut schmeckte den Bewohnern das Essen wohl auch aus dem Grunde, da es von unserem Küchenleiter persönlich auf den Tellern angerichtet und serviert wurde. Alle Bewohner aßen mit einem sehr guten Appetit und wirkten sehr zufrieden. Auch Bewohner, die sonst eher teilnahmslos wirken, beobachteten das Geschehen aufmerksam.

Da das Projekt sowohl von den Bewohnern als auch von den Angehörigen und Mitarbeitenden sehr positiv angenommen wurde, entschlossen wir uns, es noch weiter auszubauen. Bei den regelmäßig stattfindenden  Speiseplanbesprechungen äußerten Bewohner immer wieder den Wunsch nach  Pommes mit Currywurst. Dies war für die Anschaffung einer neuen mobilen Doppelfriteuse ausschlaggebend.
Bei dem  „Kochen mit allen Sinnen“ 2009 werden nun in den verschiedenen Tagesräumen sehr zur Freude der Bewohner Pommes und Currywurst frisch zubereitet.

Auch unsere Bewohner, die z.B. aufgrund einer besonders schweren Demenz nicht an den Mahlzeiten in den Tagesräumen teilnehmen können, kamen schon in den Genuss des „Kochen mit allen Sinnen“. Nach Absprache mit den Mitarbeitenden der Pflege, besucht der Küchenleiter diese Bewohner und bereitet ihnen eine kleine Speise direkt am Bett zu.