Entstehung der Jakobi Gemeinde

Die Evangelische Kirchengemeinde Jakobi zu Rheine ist im Jahre 1838 entstanden. Anfangs war sie zwar stärker reformiert geprägt, hat sich aber als unierte Gemeinde immer schon an Luthers Katechismus ausgerichtet.

Es war ein mühsamer Weg bis zur Gründung einer evangelischen Gemeinde in Rheine: Erst mit der Gründung der Provinz Westfalen 1815 durch Preußen kam es zum nennenswerten Zuzug evangelischer Bürger nach Rheine, das bis dahin nahezu ausschließlich katholisch geprägt war. Vornehmlich mittlere Beamte, aber auch Handwerker und einfache Arbeiter, kamen nach Rheine. Es gab für sie keine Möglichkeit, regelmäßig Gottesdienste in einer Kirche zu besuchen, es sei denn, sie nahmen einen längeren mühseligen Fußweg in das benachbarte Ohne, das jedoch zum Königreich Hannover gehörte, auf sich. Um 1837 werden etwa 100 evangelische Bürger unter den etwa 2500 Einwohnern der Stadt Rheine gezählt. Der Diasporacharakter der Gemeinde wird somit deutlich – er ist bis zur Gegenwart geblieben.

Unterstützt vom Grafen von der Recke-Volmerstein, der auch Königlich-Preußische Zustimmung erwirkt, kommt es am 20. April 1834 auf Weisung des Konsistoriums in Münster zu einer vom örtlichen katholischen Bürgermeister einberufenen Versammlung der evangelischen Bürger Rheines, um das „Bedürfnis und die Ausführbarkeit eines eigenen Kirchen- und Schul-Verbandes der Evangelischen in Rheine“ zu klären. Aus den umliegenden Ortschaften (Dreierwalde, Mesum, Neuenkirchen, Hummeldorf und Bevergern) kamen weitere Personen dazu. Hoffnungsvoll gehen die Gläubigen die finanziellen Probleme der Besoldung eines Pfarrers und Kirchendieners an, eine Kabinettsordre verspricht Zuwendungen. Am 3. August 1837 gibt sich die neue evangelische Gemeinde ihre Statuten. Der Gemeindebezirk umfasst Rheine, Mesum, Dreierwalde und einige kleinere Bauerschaften. Mit der Wahl eines Presbyteriums im Dezember 1837 kann die evangelische Gemeinde geschäftlich aktiv werden, nämlich einen Pfarrer wählen, ebenso weitere Kirchenämter und einen notwendigen Armenfonds einrichten.

Erster Pfarrer der Gemeinde wird Pastor Ziegner. Nach langen Verhandlungen, aber auch anfänglichem Zögern der katholischen Gemeinde wird der Gemeinde sonntags eine unentgeltliche Mitbenutzung der Hospitalkapelle (heutige Bönekerskapelle) unter Auflagen für vier Jahre gestattet. Die evangelische Gemeinde Rheine wächst an Zahlen und bald zeigt sich, dass nur eine eigene Kirche ihren wachsenden Bedürfnissen gerecht werden kann. Pfarrerwohnhaus, Gemeindehaus und vor allem eine evangelische Schule werden notwendig.

Die acht Statuten umfassen so wichtige Kernfragen wie Spendenaufkommen (§2), Bekenntnisausrichtung (§3), verpflichtende Bekenntnisschriften (§4), Abendmahlsfeier (§5), Berufung der Pfarrer (§6), aber auch die Beziehung zu den katholischen Mitbürgern in der Diaspora. Auf ein Zusammenleben in Friede und Eintracht wird besonders hingewiesen (§7).

Geduld im Umgang mit der katholischen Mehrheit der Bevölkerung wird ebenfalls gefordert, was bei der Frage der Gotteshausnutzung später sehr deutlich wird. Zwei Aussagen in den Statuten sind bis heute für die Jakobi-Gemeinde bedeutsam: „nach ihrem Bekenntnis und ihren Schriften tritt die junge Gemeinde in die Reihe der übrigen unierten evangelischen Kirchen des Preußischen „Staats“. „Sie schließt sich dem kirchlichen Verbande der „Diözese (damalige Bezeichnung für den Kirchenkreis) Tecklenburg an.“ Bis in die Gegenwart gehört die Jakobi-Gemeinde Rheine auch nach etlichen politischen Gemeindereformen zum Kirchenkreis Tecklenburg und lehnt sowohl in den dreißiger Jahren (1933) als auch 1951 einen Beitritt zum neu gegliederten Kirchenkreis Münster ab, ebenso 1953 einen Anschluss an den Kirchenkreis Steinfurt-Coesfeld.

Die Jakobi-Gemeinde ist die Muttergemeinde der umliegenden Gemeinden Hörstel, Emsdetten, Neuenkirchen-Wettringen (zunächst von Jakobi verwaltet, ab 1951 selbstständig) und Johannes (Kirchengemeinde Eschendorf 1923 gegründet und zunächst pfarramtlich mit Jakobi verbunden, die Namengebung Jakobi und Johannes erfolgte 1953).

Das Wachstum der Gemeinde erfolgte in mehreren Schüben: zu Beginn Bahn- und Zollbeamte sowie Handwerker, um 1900 Zuwanderung niederländischer Arbeiter für die Textilindustrie (hauptsächlich Eschendorf), nach dem zweiten Weltkrieg Flüchtlinge und Vertriebene aus dem Memelland, Ostpreußen, Westpreußen, Pommern, Schlesien). Die Gemeindegliederzahl wuchs jeweils mit den Zuwanderungsströmen – zuletzt die Übersiedler aus dem Gebieten der ehemaligen Sowjetunion.

Die Entstehung der verschiedenen Einrichtungen und Arbeitsfelder der Gemeinde führt sich oftmals darauf zurück. Die Veränderungen in der Gemeinde lassen sich am Rückbau der Paul-Gerhardt-Kirche und der Zupfarrung des Stadtteils Mesum festhalten. Im Januar 2002 wurde der vorher zur Evangelischen Kirchengemeinde Emsdetten - und damit zum Kirchenkreis Steinfurt-Coesfeld-Borken – gehörende Ortsteil „Mesum“ – den kommunalen Grenzen entsprechend - an die Jakobi-Gemeinde angegliedert.

Somit ist die Gemeinde mit zwei Zentren ausgestattet, die einerseits in das umliegende Umfeld wirken, andererseits aber auch auf die ganze Gemeinde ausstrahlen.